Mittlerweile hat es sich bei japanischen B-Movies
zu einer Gewinnbringenden Routine entwickelt, Hauptrollen
mit bekannten Gesichtern aus der AV Branche (AV= Adult
Video= Pornofilm) zu besetzen. Bekannte Beispiele
dafür dürften dabei etwa die Filme von Noboru
Iguchi (The
Machine Girl) sein, welche international,
an ihren Produktionskosten gemessen, sehr gewinnbringend
vermarktet werden.
Satoshi Toraos „Siren“ stellt
dabei eines der ersten mir bekannten Werke da, die
routiniert auf AV Idol Power setzten. Diese Power
tritt dabei in Form von Sora Aoi in Erscheinung, ihres
Zeichens Aushängeschild des Labels S1 und Akteurin
in über 60 AV-Produktionen.
Im Mittelpunkt von „Siren“ steht
eine Gruppe Gangster, die sich nach geglücktem
Banküberfall, mit ihrer Beute in die Wildnis
Japans flüchten. Unterwegs treffen Sie auf ein
junges Mädchen Namens Yumi, verkörpert von
Sora Aoi, und halten an, im Glauben das Sie die kürzlich
bei einem Konbini bestellten Lebensmittel bereit hält,
Gangster brauchen ja auch etwas zum essen. Dummerweise
entdeckt Sie deren Beute und wird daraufhin kurzerhand
gekidnappt. Im Versteck, ein verfallenes Haus mitten
im Nirgendwo, angekommen, beginnt man die Zeit totzuschlagen,
während man auf den Fluchthelfer wartet, der
Sie außer Landes bringen soll.
Unter den Gangstern wächst mit der Zeit jedoch
immer mehr Mistrauen und jeder beginnt seine eigenen
Pläne zu knöpfen. Spätestens ab hier
fühlt sich der Zuschauer stark an Quentin Tarantinos
Gansterdrama „Reservoir Dogs“
erinnert, jedoch erreicht der Film zu keinem Zeitpunkt
dessen Finesse. Die Umstände macht sich Sora
Aois Rolle zu nutze und beginnt die Männer um
den Finger zu wickeln und gegen einander auszuspielen,
denn was keiner weiß ist, das sich hinter ihrem
verlockendem Äußeren ein finsterer Dämon
verbirgt, welches sich von der Lebensenergie unbedarfter
Männer ernährt.
Obwohl Regisseur Satoshi Torao das Hauptaugenmerk
bei „Siren“ sichtlich auf Sora
Aois Auftritte und die damit verbundenen Erotikszenen
setzt, sind eben jene, im Gegensatz zur Fortsetzung
Yôjo
densetsu seirên X: Mashô no yûwaku
mit AV Idol Yuma Asami in der Hauptrolle, recht spärlich
gesät. Dennoch können eben jene Szenen für
das männliche Zielpublikum mit so einigen Reizen
aufwarten und bestechen durch eine erstaunlich weit
über dem Pinku Eiga Standart angesiedelte Inszenierung.
Dem kann auch die Tatsache nichts anhaben, das Sora
Aoi mit ihrem neongrünen Kniestrümpfen stark
an eine billige Prostituierte vom Straßenstrich
erinnert und man ihr zudem jegliches schauspielerisches
Talent absprechen muss.
Etwas verwundernd ist nebenbei der Storypart geraten,
welchem ja mehr oder weniger freiwillig recht viel
Platz eingeräumt wird. Denn tatsächlich
kommt hier, zumindest beim ersten mal angucken, beinahe
keine Langeweile auf, und das obwohl das Budget doch
recht niedrig gehalten wurde und außerdem, von
einigen Blutspritzern mal abgesehen, keinerlei Special
Effects vorhanden sind.
So bietet das filmische Kleinod „Siren“
im Endeffekt gute Low Budget Unterhaltung für
Genrefans und beweist einmal mehr, das Japaner mit
einem knappen Budget doch weit mehr anfangen können
als die weit produktivere Konkurrenz aus den USA.
Siehe auch: Yôjo
densetsu seirên X: Mashô no yûwaku
Johnny Danger, 13.05.2010